Dienstag, 2. März 2010

Halftime

Einen Tag vor der Ausreise hab ich jetzt doch noch mein Visum bekommen und es blieb bei 3 Tagen Nairobi und ner Studentenparty mit jede Menge Taschendieben. Wenigsten blieb ich ausnahmsweise mal verschont.
6 Monate sind rum, 6 stehn noch vor mir.
In den vergangenen Monaten habe ich einiges dazu gelernt und nicht nur das vergangene Zwischenseminar und meine beiden Urlaube ließen mich erkennen was ich für das Projekt und für mich in dem nächsten halben Jahr erreichen will.
Wird ein Freiwilliger vor seinem Afrikaaufenthalt gefragt, was er denn da machen will, wird er meistens antworten: Helfen!
Doch was ist Helfen überhaupt? Ich für meinen Teil bin zu dem Entschluss gekommen, dass blindes Spendensammeln und dann irgendeinem Heim zu geben zwar an sich n gutes Motiv besitzt, aber meines Erachtens nicht der richtige Weg für konstruktive Entwicklungshilfe ist, sondern eher das Grundproblem verschlimmern kann und Menschen in regelrechte Spendenabhängigkeit führt. Denn würde man ein Baby sein Leben lang im Kinderwagen herum schieben, würde es nie Laufen lernen. Man sollte ihm (und somit Afrika) lieber die Hand reichen und ihm helfen auf eigene Beine zu kommen.
Diesen Grundgedanken versuche ich deshalb auch auf unsere Projekte und Leben im nächsten halben Jahr wirken zu lassen.
Damit ihr mal so ne Idee habt was ich überhaupt meine, wenn ich von Projekten rede, hier ne kleine Liste was wir so vorhaben:
Morgen geht mein Computerunterricht los, wo ich unsren Lehrern und Angestellten die „Basics“ am Pc beibringen werde, denn auch hier ist das Zeitalter des Computers und Internet längst angebrochen.
Morgen früh versuch ich aber erst noch kleine Wassertanks mit Wasserhähnen aufzutreiben, die wir vor die Toiletten im Heim stellen wollen, damit erstens ein gewisses Hygienebewusstsein bei den Kindern entwickelt werden kann und vor allem aber die Kinder gesund bleiben.
Wenn dann noch Zeit bleibt, werd ich unsre großen Wassertanks ausputzen und mich nach billigen Regenrinnen umhören, die wir dann mit den Tanks verbinden können, damit wir endlich kein teures Wasser mehr einkaufen müssen.
Unser vermutlich größtes Projekt was wir auch schon begonnen haben (und sogar schon Früchte trägt!!) ist das Renovieren von kleine Wohnhäuschen auf unsrem Grundstück, die man sobald sie einigermaßen aussehen auch vermieten kann. Letzten Monat haben wir so schon einen alten Geräte/Müllschuppen in ne Wohnung umgebaut, die jetzt bereits vermietet wurde und dem Heim nun monatlich Einkommen beschert. Darauf sind wir besonders stolz, denn es hilft dem Heim echt langfristig und aus der Spendenabhängigkeit herauszukommen. Wir hatten dabei verdammt Spaß daran uns handwerklich zu betätigen und ne abwechslungsreiche Arbeit zu haben (zementiern, Elektrik machen, Decke zimmern, streichen…) und ein Projekt zu haben, dass auch nach unsrer Abreise bestehen wird. Und das Beste: Alles in allem hat nicht einmal 25€ verschlungen.
Hm, ich merk schon diesmal wird’s wieder ein längerer Eintrag, aber vielleicht intressiert´s ja wen.
Andere Projekte sind beispielsweise das Müllproblem noch besser in den Griff zu bekommen und nun neben dem Plastikverbrennungsofen zu mehr Akzeptanz verhelfen noch einen Komposthaufen anzulegen, um nicht nur für Hygiene und Umweltbewusstsein zu sorgen, sondern auch gleichzeitig so unsere Farm und Baumschule mit guter Erde zu versorgen.
Nebenher wollen wir den Kinder Gitarren- Nachhilfe- und Deutschunterricht anbieten.
Was uns quasi auch schon zu unsrem vermutlich zweitgrößten Projekt führt: Wir haben geplant eine Brieffreundschaft zu einer deutschen Schulklasse aufzubauen. Die Idee dahinter ist, dass sowohl unsere Kinder hier als auch deutsche Schulkinder (und damit verbunden Eltern, Verwandte etc) ihren Horizont erweitern können und ein besseres Bild voneinander bekommen. Denn wie viele deutsche Kinder glauben, dass alle Afrikaner nur hungern? Und wie viele afrikanische Kinder glauben, dass alle Europäer in Schlössern wohnen? Aber ist jemand schon mal auf die Idee gekommen, dass alle Kinder egal wo sie wohnen gerne Fußball spielen, gern Musik hören oder tanzen? Wir finden, dass so eine Brieffreundschaft ein guter Weg ist, das gegenseitige Verständnis zu fördern und für beide Parteien ein Spaß bereitende Weise sein kann, etwas über das andere Land zu erfahren und dabei vielleicht sogar Englisch, Deutsch oder gar Suaheli zu lernen. Auf lange Sicht können so sogar richtige Freundschaften entstehen und vielleicht entschließt sich sogar das ein oder andere deutsche Elternpaar so einen so genannten Sponsorship (Patenschaft) für eines der Kinder zu übernehmen, um ihm beispielsweise eine gute Schulbildung zu ermöglichen.
Um nicht zu lang auszuschweifen will ich mit unsrer letzten Idee abschließen, nämlich einfach mehrere kleine oder vielleicht auch einen größeren Ausflug (zB in einen der vielen Nationalparks) für die Kinder zu organisieren. Denn was macht schon mehr Spaß und ist lehrreicher als einfach mal raus zu kommen und etwas von der Welt zu sehn.
Wie ihr seht haben wir einiges vor (und vieles blieb noch ungenannt) und freuen uns aber auf unsre Arbeit. Wir haben echt fast das ganze erste halbe Jahr verbraucht, um wirklich zu begreifen was eigentlich sinnvoll für unser Projekt ist und was auch wir für uns selbst erreichen wollen.
Sicherlich werden wir auch mal einen Spendenaufruf nach Deutschland starten (um beispielsweise einen solchen Ausflug verwirklichen zu können) und freuen uns über jede Art von Unterstützung. Es ist uns aber wichtig, dass erstens der Spender weiß für was er spendet, dass das Geld sicher ankommt und (abgesehen von Ausflügen beispielsweise) in Zusammenarbeit mit Einheimischen in Projekte investiert wird und diese dann auch einen langfristigen Nutzen haben.

Ich könnte echt noch ewig schreiben, aber nun ist gut.
Bei Fragen oder Anregungen könnt ihr mir ja einfach ne Mail schicken, wer die Adresse nicht hat: schoepflinjochen@aol.com

Lala salama!