Ein Monat ist es jetzt her seit ich in Frankfurt gelandet bin und schön deutsch mir erstmal gute Portion McDonalds gegeben hab. Leider habe ich noch gar nicht richtig Zeit gehabt mal zu entspannen und musste von einem Termin zum anderen rennen, weshalb ich wohl auch noch nicht dazu gekommen bin Kenia ein wenig zu vermissen. Es ist schön wieder hier zu sein und zu merken, dass alles wie immer ist. Ich bin nun zwar kein Star mehr und gehör nicht mehr zu den Reichen und Schönen, trotzdem ist es ein absolut gutes Gefühl einfach durch die Stadt zu laufen und niemand intressierts. Wer hätte gedacht, dass in der Masse unter zu gehn , nicht angesprochen zu werden und nicht besser behandelt zu werden so toll sein kann? Ich hab auf jeden Fall gelernt oder wurde bestätigt, dass man durch den viel verschrienen „Polizeistaat“ und der „Bürokratiehölle“ einfach auch zu so viel Freiheit und Sorgenlosigkeit verholfen wird. Mit Freunden entspannt Konzerte besuchen oder nachts noch aufs Weinfest gehen und sich um nichts Gedanken machen zu müssen.
Umso weniger kann ich nun Deutsche verstehen, die sich beispielsweise im Krankenhaus beschweren, warum denn die Fernbedienung für den Fernseh noch nicht da ist. Und dabei einfach nicht zu schätzen wissen oder nicht realisieren (oder nicht sehen wollen?), was für ein krasser Luxus es doch ist ne Krankenversicherung zu besitzen und rund um die Uhr kompetente Ärzte und Medizin zu Verfügung gestellt zu bekommen.
In diesem Jahr habe ich viele Menschen aus den verschiedensten Ländern getroffen, Geschichten gehört, Eindrücke gesammelt und mir Gedanken gemacht über meine Familie,meine Freunde und mich . Ich glaube, dass das alles mich nicht unerheblich beeinflußt hat,wie ich meine Zukunft gestalten werde.
Jeder der sich überlegt vielleicht auch ins Ausland zu gehen und ähnliche Erfahrungen machen will, dem kann ich das nur zu Herzen legen. Man wird aber relativ schnell merken, dass man so etwas hauptsächlich nur für sich selbst macht und man nicht denken sollte, dass man in dieser kurzen Zeit die Welt verändern kann. Kenia wird und muss seinen eigenen Weg finden müssen, denn irgendwelche gut gemeinten Hilfsprogramme aus dem Ausland werden an der anderen Kultur und Denkweise scheitern. Man sollte zwar die Grundbausteine bereitstellen, damit Handeln überhaupt erst ermöglicht wird; auf lange Sicht muss sich Kenia und vermutlich ganz Afrika sich selbst überlassen werden, damit es seine eigene Lösung findet und nicht in einem aufgezwungen System dahinvegetiert, weil sich niemand mit diesem identifizieren kann.
Vor allem aber sollten wir wegkommen Afrika als bedürftigen Kontinent zu sehen, den nur wir retten können. Es gibt vor Ort genügend kompetente und arbeitswillige Menschen, denen bisher nurnoch keine Möglichkeit gegeben wurde sich zu beweisen.
So, ich glaube nun reicht es auch wieder, ich brauch ja eigentlich gar kein Blog mehr zu schreiben, denn wir können uns ja theoretisch heute oder morgen einfach treffen und uns Lach-und Sachgeschichten erzähln! Ich sag Danke für jede Mail,jeden Anruf und jede Nachricht, die ich im letzten Jahr von euch bekommen hab und freu mich nun bald Zeit zu haben, euch zu berichten wie es eigentlich in Kenia wirklich war, denn ich glaub ich konnte nicht mal im Ansatz beschreiben, wie sich alles eigentlich zugetragen hat und ich z.B. vergessen hab zu schreiben,wie ich jeden Tag mich mit Mama Reni bei Cola und Chapati mich über belanglose Dinge amüsiert habe oder mit meiner Chefin über Dies und Das geredet hab und dass ich vor lauter Sensationen niederschreiben nie erwähnt habe, dass da einfach ganz normale Leute leben, die ganz normal wie du und ich zur Arbeit gehen, Essen und Leben.
Wie dem auch sei,
Mir hat´s Spaß gemacht!
Samstag, 2. Oktober 2010
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